Frisch und hitverdächtig
Von Stefan Uhrmacher
Er zählt nicht nur zu den altgedienten und stetigen, sondern außerdem zu
den besonders fähigen und sympathischen Erscheinungen der regionalen Musikszene
zwischen Pop, Folk und Klassik.
Seit Mitte der
1970er-Jahre machte sich Michael Marx etwa als Partner des Liedermachers Rainer Rodin und vor allem als Mitglied
und kreativer Motor von Marx Rootschilt Tillermann einen Namen: Der nach
eigenem Bekunden "ältesten Boygroup des Saarlandes", jener fidelen
Barden, denen noch im zarten Doppel-Twen-Alter der Nachwuchspreis der Goldenen
Europa vermacht wurde.
Ob als Sänger, Gitarrist
oder Songschreiber - der 1955 in Saarbrücken geborene und in Neunkirchen
wohnende Michael Marx ist in den verschiedenen Disziplinen seines Metiers
gleichermaßen kompetent.
Unter dem Motto "Saitenwende" (BEE-Records, Aufnahme: Michael Schorlepp)
kommt Marx nun freilich komplett solistisch und instrumental daher. Für den
studierten Musikus eher ungewöhnlich, greift er albumfüllend anstatt in die gewohnten
Nylonsaiten in die stählernen Drähte einer Westerngitarre - und wie!
Nun sind seine Griffbrett-Exkursionen zwar
nicht etwa künstlerisch tiefer schürfend als vergleichbare Alben anderer
Kollegen der Fingerstyle-Zupf-Fraktion. Das ist keineswegs ernste oder gar
experimentelle Muse. Seine ohrwürmigen Kompositionen, eigentlich eher
"Instrumental-Songs", sind vielmehr zwei- bis dreiminütige, durch und
durch unterhaltsame Häppchen und Marx' sonnigem Naturell entsprechend klar dem
Popgenre zuzurechnen. Doch kann der Mann eben locker mit den Spitzen jener
Szene mithalten.
Nicht zuletzt wegen seines strahlenden Tones und seines transparenten und
herausragend gesanglichen Spiels.
Da
erstrahlen auch Titel aus fremder Feder, etwa von Tommy Emmanuel, Keith Jarrett
und immerjunge US-Songklassiker wie "Georgia on my mind" (Hoagy
Carmichael) und "Blue Moon" (Rodgers/Hart) in berückender
Schlichtheit. Schön, wie plastisch Marx etwa bei einem kleinen Beatles-Medley
aus "Day Tripper" und "Lady Madonna" Basslinie und Melodie
trennt. Das ist quirlig frisch und hat Zug.
Flinke
Finger und makellose Technik zeigt der Erzmusikant aber eher nur am Rand, etwa
bei der hier mit vier Minuten längsten Nummer, dem titelgebenden Stück
"Saitenwende". Zuallererst ist das Gitarrenmusik, die ohne Umschweife
auf den Punkt kommt, spontan anspricht und oft genug zum Mitpfeifen animiert.
Ähnlich wie bei zahlreichen Songs von Marx Rootschilt Tillermann gilt hier also
das Prädikat "hitverdächtig".